
"Das neue Format wertet die CHL extrem auf"
Martin Baumann spricht über die Entwicklung der Champions Hockey League. · City Press
In guter einer Woche startet der ERC Ingolstadt in die Champions Hockey League. Nach dem Vinschgau Cup (12.-14. August 2016 in Latsch/Südtirol) treten die Panther zum CHL-Auftakt am 16. August bei einem der größten Clubs Europas, den ZSC Lions (Schweiz), an. Am 20. August steigt das Rückspiel in der Ingolstädter Saturn Arena. Tickets dafür sind unter www.erc-ingolstadt.de/tickets erhältlich. Folgend ein Interview mit Martin Baumann, Geschäftsführer der Champions Hockey League.
Martin Baumann, die dritte Champions Hockey League Saison steht kurz vor der Tür. Wo steht das Produkt?
Wir merken ganz klar, dass deutlich mehr Akzeptanz vorhanden ist als noch vor zwei Jahren, dass wir mehr Aufmerksamkeit von Fans und Medien erhalten. Ausserdem – und das ist ganz wichtig – der Fokus richtet sich immer mehr auf den Sport als auf das ganze Drumherum. Wir bekommen auch ausschliesslich sehr, sehr gute Feedbacks von Coaches und Spielern, was uns sehr zuversichtlich stimmt. Wenn unsere Hauptdarsteller an die CHL glauben, wer kann es nicht?
Wenn wir von Deutschland als sehr wichtigem Markt für die CHL sprechen, dann stehen wir nach der zweiten Saison ebenfalls viel besser da als nach der ersten – sportlich und zuschauermässig. Fünf von sechs Teams haben es letzte Saison in die Playoffs geschafft – natürlich auch dank des angepassten Modus. Aber trotzdem: Die Eisbären Berlin schafften es dann gleich bis ins Achtelfinale und Ingolstadt scheiterte in der Round of 32 nur um ein Haar in der Overtime am späteren Champion Frölunda Göteborg. Das sind Trends, die mich sehr zuversichtlich stimmen. Ausserdem war der Zuschauerauflauf sehr positiv – Mannheim konnte gleich zweimal einen neuen CHL-Zuschauerrekord vermelden.
Einen ganz wichtigen Schritt haben wir im Juni vollzogen: Die Generalversammlung hat ein neues Format für die übernächste Saison verabschiedet sowie der Vertragsverlängerung mit unserem Vermarkter Infront Sports & Media zugestimmt. Damit wurden entscheidende Weichen gestellt.
Sie sprechen es gerade an, es wurden wegweisende Schritte für die Champions Hockey League eingeleitet. Können Sie bitte das neue Format, das ab der Saison 2017-18 gilt, etwas näher erläutern?
Es erfolgt eine Reduktion auf 32 Teams, maximal 5 Teams pro Land dürfen antreten. Ausserdem gibt es nur noch sportliche Qualifikation, die Gründungsteams sind also nicht mehr gesetzt. Wer in der Champions Hockey League spielen will, muss sich das in der Meisterschaft verdienen. Das neue Format wertet die Champions Hockey League extrem auf. All die Kritik, die wir seit dem Start in den letzten zwei Jahren einstecken mussten – zu viele Teams aus einem Land und der automatische Startplatz für Gründungsmitglieder – wird auf einen Schlag neutralisiert.
Was bedeutet dieses neue Format nun aber für Deutschland?
Deutschland ist eines der Länder, das am einschneidendsten von der Formatänderung betroffen ist – und zwar wird die Anzahl deutscher Teams nach aktuellem Stand von sechs auf drei reduziert. Das ist für die Champions Hockey League sehr schade, weil der deutsche Markt für uns unglaublich wichtig ist und weil die deutschen Teams auch sehr committed sind. Leider haben sie es im sportlichen Vergleich aber verpasst, sich mehr Startplätze für die übernächste Saison zu sichern. Dies liegt sicherlich vorwiegend an der ersten Saison 2014/15, wo die DEL-Teams unterdurchschnittlich schlecht abschnitten. Die Anzahl Startplätze pro Land wird nämlich künftig ebenso an sportliche Kriterien gebunden sein, wie die Qualifikation der einzelnen Teams. Dazu führen wir das CHL-Ranking, das die Resultate der Teams während drei CHL-Saisons wertet. Es heisst aber auch, dass sich die deutschen Teams in Zukunft durchaus wieder zusätzliche Startplätze erkämpfen können. Deshalb ist jetzt diese dritte CHL-Saison auch so unglaublich wichtig: Die Teams kämpfen um Punkte fürs Ranking, die die künftige Anzahl Startplätze für ihr Land definieren.
Die Reduktion auf 32 Teams war auch Voraussetzung für die Vertragsverlängerung mit dem Medien- und Marketing-Partner Infront Sports & Media…
Genau. Die Shareholder haben an der Generalversammlung sozusagen im Doppelpack über die Formatänderung und über die Vertragsverlängerung mit Infront abgestimmt. Dadurch haben wir nun einen Vertrag über weitere sechs Jahre bis 2023 in der Tasche, der uns eine langfristige Sicherheit gibt, unser Produkt weiterentwickeln zu können. Ich bin darüber sehr glücklich und freue mich auch über die weitere, enge Zusammenarbeit mit Infront, die einen sehr guten Job im TV-Bereich und in der Vermarktung machen und uns auch mit weiteren Dienstleistungen wie dem Venue-Management und Digital Services unterstützen. Wenn unser Vermarkter so sehr an uns glaubt und den Vertrag sechs Jahre verlängert, ist das auch eine extrem starke Botschaft gegenüber den Fans und den Medien.
Zurück zur aktuellen, dritten CHL-Saison: Was wünschen Sie sich von den deutschen Teams?
Ich wünsche mir, dass sie sportlich noch einmal etwas zulegen. Perfekt für die CHL wäre eine deutsche Cinderella-Story, sprich ein deutsches Team, dass die nordische Mauer durchbricht und es vielleicht sogar bis ins Halbfinale schafft. In der letzten Saison hat mit dem HC Davos ein Schweizer Vertreter für Aufsehen und eine tolle Geschichte gesorgt, warum nicht dieses Jahr ein deutsches Team? Die Euphorie, die Davos in der Schweiz und in ganz Europa entfachen konnte, war unglaublich und genau das, was die Champions Hockey League braucht. Und natürlich wünsche ich mir auch dieses Jahr volle Arenen und begeisterte Fans – warum nicht wieder ein neuer Zuschauerrekord? Die Kampfansage ist da – der neue polnische Vertreter aus Krakau hat angekündigt, seine 15‘000er-Arena zu füllen. Wir sind gespannt, obs klappt – und würden uns sehr freuen, wenn andere Clubs nachziehen.
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